Traditionelle Keramik der ukrainischen Karpaten

Töpferei gehört zu den wichtigsten Handarbeiten in der Ukraine. Die Westukraine und besonders die karpatische Region bilden hierbei keine Ausnahme. Die verschiedenen Arten von Lehm, die sich im Umfeld von Dörfern und Städten befinden, gaben der Bevölkerung die Möglichkeit, Geschirr herzustellen. Die ersten Produkte aus Lehm entstanden im 15. Jahrhundert. Die spezielle Ausprägung von Technik und Art einer huzulischen Keramik  entwickelte sich im 17. und 18. Jahrhundert. Es entstanden Schulen für Töpferei und Manufakturen, welche zu einer Verbesserung der Techniken führten.

In der traditionellen karpatischen Keramik lassen sich folgende Hauptarten unterscheiden:

Milchkeramik

Milchkochgeschirr ist umweltfreundlich und sicher. Bei der Herstellung solcher Töpferwaren wird eine alte Methode zur Verarbeitung von Keramik verwendet - das Rösten von Milch. Bei der Verarbeitung wird das Tonprodukt in die Milch eingetaucht und sickert dort ein, da der Ton ein sehr poröses Material ist. Diese Methode macht das Geschirr sehr schön weich und wirkt sich positiv auf die Lagerfähigkeit der Produkte aus.

Nach dem ersten kurzen Brennen - etwa 4 bis 5 Stunden bei einer Temperatur von 1000 ° C - wird das Gefäß in Milch getaucht und dann vorsichtig entfernt, um die dünne Schicht des Milchfilms nicht zu verderben. Es gibt auch eine Möglichkeit, ein Tonprodukt mit einem in fettgesüßter Milch getränkten Tuch abzuwischen. Das Geschirr wird getrocknet und erneut bei einer Temperatur von 400 ° C gebrannt

Die Hauptbesonderheit dieser Behandlungsmethode ist die Feuchtigkeitsbeständigkeit der Produkte ohne Verwendung von Chemikalien. Außerdem ist das Kochgeschirr hitzebeständig, leicht und heute für die Verwendung auf einer Vielzahl von Herden und Backöfen geeignet.

Die Einzigartigkeit der Milchtechnologie ist auch die Tatsache, dass die weiche und angenehme Farbe der Brotkruste der Keramik vom Fettgehalt der Milch, der Dauer des „Badens“ der Gerichte, der Zugabe des Zuckers zur Milch usw. abhängt.

Die Pflege von Milchkeramik-Kochgeschirr ist sehr einfach. Es wird empfohlen, keine Spülmittel zu verwenden und auch das Geschirr alle paar Monate im Ofen oder an der frischen Luft zu trocknen, wie es die Urgroßmütter getan haben.

Milchkeramik, Fotos: Olga Kusewytsch

Terrakotta Keramik

Für den täglichen Gebrauch stellen die Huzulen Terrakotta-Keramik her. Terrakotta-Keramiken werden mit Zickzack-Kurven oder horizontalen Streifen dekoriert. Oft hatten die Produkte aber auch keinerlei Dekor. In den letzten Jahrzehnten begann man, aus Terrakotta-Keramik touristische Souveniers herzustellen.

Terrakotta Keramik, Fotos: Olga Kusewytsch

Keramik aus Kosiv

Die berühmteste Keramik des Huzulengebietes heißt Kosivska (aus der Stadt Kosiv, Region Iwano-Frankiwsk). Seit dem 15. Jahrhundert hat diese Keramik ihre Authentizität bewahrt und sich ständig weiterentwickelt und verbessert. Lokale Handwerker schufen eine einzigartige Technik und einen einzigartigen Stil. Die sogenannte „Gravierung“ bedeutet, dass die aus Ton geformten Teile mit weißer Glasur bedeckt und  im Ofen gebrannt werden. Dann werden die Ornamente in Grün, Gelb, Braun, selten Blau eingetragen und die Teile komplett mit durchsichtiger Glasurfarbe bedeckt und wieder in den Ofen geschoben. Die Ornamente nehmen Bezug auf die Pflanzen-  und Tierwelt, Sitten und Bräuche, Szenen aus der Mythologie, Religion und Geschichte. Zusätzlich zu den üblichen Krügen, Töpfen und sonstigem Geschirr wurden Ende des 18. Jahrhunderts auch dekorative Gegenstände aus der Keramik hergestellt - Fliesen und Kerzenhalter.

Seit dem 23. Dezember 2019 gehört die Keramik aus Kosiv zum UNESCO Weltkulturerbe.

Kosivska Keramik, Fotos: Olga Kusewytsch

Majolika Keramik aus Kolomyja

Eine weitere besonder Art huzulischer Keramik entstand in der Stadt Kolomyja. Die Grundfarben sind Braun oder Hellbraun. Als Motive werden meistens Pflanzen und Blumen dargestellt. Verschiedene Linienformen, Zickzack- oder Wellenlinien bilden die Ornamente.

Majolika Keramik, Fotos: Olga Kusewytsch

Ostwind e.V.
Vorsitzende: Dr. Dagmar Everding
Rheinlandstr. 21
87437 Kempten
Tel.: 0831/5707144
Mobil: 0177/4597867
dagmar.everding@ostwind-ev.de
KontaktImpressumDatenschutz
Spendenkonto
GLS Gemeinschaftsbank Bochum
IBAN: DE95 430609670014766000
BIC: GENODEM1GLS

 Per Paypal spenden
 Per Zahlschein spenden